100 JahreLindenhof

Stele 2 – Suttnerstraße

Die Suttnerstraße war und ist die Hauptachse des Lindenhofs. Die Straße, deren Name ursprünglich „Krumme Straße“ lautete, führte vom Eingang des Lindenhofs, dem nicht mehr existierenden Ledigenheim, direkt zum Weiher im Zentrum der Siedlung. An dieser Stelle bezogen die ersten Lindenhofbewohner 1919 ihre Wohnungen. Das Torhaus im Bild unterstreicht mit seiner symmetrischen Bauweise diesen Hauptstraßencharakter. Insgesamt fünf Torhäuser gab es im Lindenhof, davon haben nur zwei die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg überstanden. Wenn Sie an der Kreuzung Suttnerstraße und Reglinstraße stehen, sehen Sie auf Ihrer linken Seite übrigens ein originalgetreues Torhaus, das im Jahr 2019 neu errichtet wurde. An dieser Kreuzung befanden sich mehrere Läden für den täglichen Bedarf, so zum Beispiel eine Fleischerei, eine Drogerie und ein Textilwarengeschäft, wie es sich für eine Hauptstraße gehört.

Bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg am 23./24. August 1943 wurde die Suttnerstraße – wie der gesamte Lindenhof – so schwer getroffen, dass nach Kriegsende nur die Häuser an der östlichen Straßenseite wiederaufgebaut werden konnten. Auf der westlichen Seite der Suttnerstraße hingegen wurden die Kriegsruinen beseitigt und ab 1954 moderne Zeilenbauten nach Entwürfen des Architektenduos Sobotka und Müller errichtet. Auch nach dem Wiederaufbau des verbliebenen Teils der Gebäude befand sich an der Ecke zur Reglinstraße weiterhin ein Einzelhandelsgeschäft.

Im Anschluss an den Wiederaufbau des Lindenhofs nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte Bundespräsident Theodor Heuß 1955 die Siedlung und ließ sich zunächst an einem Modell die Arbeiten erklären, bevor er bei einem Rundgang die Baumaßnahmen in Augenschein nahm. Der Lindenhof war für Heuß nicht unbekannt, denn der Bundespräsident war als Schöneberger Stadtverordneter an der Beschlussfassung zum Bau der Siedlung im Jahr 1918 beteiligt. Zum 100-jährigen Jubiläum unserer Genossenschaft bekam der Lindenhof ebenfalls Besuch von einem Bundespräsidenten: Frank-Walter Steinmeier ließ sich 2019 am selben Modell wie Theodor Heuß die Sanierungsarbeiten erklären und unternahm anschließend ebenfalls einen Rundgang durch die Siedlung.

Die östliche Seite der Suttnerstraße im Vorher-Nachher-Vergleich. Auch die wiederaufgebauten Bestandsgebäude wurden im Laufe der Zeit immer wieder saniert und modernisiert, so wie die Zeilenbauten auf der westlichen Seite. Die umfangreichsten Arbeiten fanden 2009 statt, als die unter Denkmalschutz stehenden Häuser durch Dachaufstockung zusätzliche Wohnungen bekamen und die Fassaden nach historischem Vorbild wiederhergestellt wurden.

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